An der ersten Evaluation des fünfwöchigen Elterntrainings nahmen Eltern und deren Kinder teil, die zuvor mit Hilfe verschiedener Kindergärten und einem Elternverein akquiriert wurden. Die Durchführung der Übungen, die zuvor durch den Trainer in den wöchentlichen Elternkursen vorgestellt wurden, fand im häuslichen Rahmen statt. Dabei erhielten die Eltern in jedem Elternkurs kindgerechte Aufgaben, die sie mit ihrem Kind in den folgenden sechs Tagen durchführen sollten. Die Kinder waren im Durchschnitt 5,2 Jahre (62 Monate) alt und wurden unmittelbar vor Beginn und nach Abschluss des Elterntrainings mit einem Testverfahren, dem Bielefelder Screening zur Früherkennung von Lese- und Rechtschreibschwierigkeiten (BISC, Jansen, Mannhaupt, Marx & Skrowonek, 2002), überprüft.
Das Programm wurde mit 70 Kindern durchgeführt. Den Eltern stand es frei zu entscheiden, ob sie und ihr Kind in der Förder- (35 Kinder) oder der Kontrollgruppe (35 Kinder) teilnehmen wollten. An den wöchentlich stattfindenden Elternkursen nahmen überwiegend Mütter teil, in einem Fall der Vater. Die Teilnahme der Eltern an jeder Sitzung ist mit 92% als hoch zu bewerten, nur 8% der Eltern konnten an einem oder zwei Terminen nicht teilnehmen.
Die Auswertung der erhobenen Daten erfolgte anhand von Varianzanalysen (Gruppenvergleiche) mit Messwiederholungen (erster und zweiter Messzeitpunkt). Es konnten positive Effekte auf die Entwicklung der Kinder aufgezeigt werden; die Kinder profitieren deutlich von einer Förderung der phonologischen Bewusstheit. Es zeigen sich Effekte für die phonologische Bewusstheit im weiteren Sinne (Silbentrennung, reimen); am deutlichsten konnten ältere Kinder (5 bis 6 Jahre) ihre phonologische Bewusstheit im weiteren Sinne verbessern. Die Leistungsanforderung steigen im Verlauf des Trainings an; so umfassen die letzten beiden Trainingswochen vor allem Aufgaben zur phonologischen Bewusstheit im engeren Sinne (Anlauterkennung, Phonemsynthese und -analyse) und fordern von den Kindern eine noch differenzierte Leistung der sprachanalytischen Fähigkeiten und fallen somit schwerer als die Übungen zum Reimen und Silbensegmentieren.
Eine Analyse der Risikopunkte zeigt, dass die Kinder der Fördergruppe ihre Leistungen im Vergleich zu den nicht geförderten Kindern verbessern konnten. Während vor dem Training nur 11% der Kinder keinen Risikopunkt aufwiesen, waren es nach dem Training rund 60% der Kinder. Demgegenüber blieb die Verteilung der Risikopunkte bei den Kindern der Kontrollgruppe vom ersten zum zweiten Zeitpunkt konstant (siehe Abbildung).
Abbildung: Anzahl der Risikopunkte in der Kontroll- und der Fördergruppe zum Prä- und Postest.
Die erreichten Verbesserungen der durch die Eltern geförderten Kinder in der Fördergruppe zeigen auf, dass auch Eltern in der Lage sind, ihre Kinder in deren sprachlicher Entwicklung vor allem im Bezug auf die phonologische Bewusstheit zu fördern. Dies spricht dafür, dass Eltern in die sprachliche Förderung ihrer Kinder aktiv einbezogen werden sollten. Auf diese Weise wird der Transfer der Übungen in den Alltag erleichtert, da Eltern und Kind über einen gemeinsamen Übungskontext verfügen.