Ein Kind wird als sprachgesund bezeichnet, wenn es etwa bis zum fünften Geburtstag in der Lage ist, sich in seiner Muttersprache grammatisch geordnet, gut verständlich und mit einem altersentsprechenden Wortschatz auszudrücken. Da Störungen der Sprachentwicklung nicht nur die Aneignung neuen Wissens, sondern auch die Persönlichkeitsentwicklung massiv beeinträchtigen können, müssen sie als ernstzunehmende Störungsbilder gelten, die rechtzeitig erkannt und behandelt werden sollten. Bisher wird jedoch nur etwa jedes vierte Kind mit einer Sprachentwicklungsverzögerung im Rahmen einer Vorsorgeerkrankung erfasst.
Der Sprachstanderhebungstest für Fünf- bis Zehnjährige (SET 5-10; Petermann, Metz & Fröhlich, 2010) dient der aussagekräftigen Diagnostik des Sprachstands und möchte eine an den Entwicklungsstand angepasste, umfassende Beurteilung des Sprachstandes vornehmen. Im Vergleich zu anderen Verfahren weist der SET 5-10 eine klare sprachtheoretische Fundierung auf, ihm kommt gegenwärtig im deutschen Sprachraum hinsichtlich seiner Aktualität und in der Weite seines Ansatzes eine Alleinstellung zu. Der Anwendungsbereich des Verfahrens bezieht sich auf verschiedene Gruppen: In erster Linie sind mit dem Verfahren Kinder mit Sprachentwicklungsstörungen und -verzögerungen angesprochen, zudem richtet sich der Test an Kinder mit Lernbehinderungen sowie an Kinder mit Migrationshintergrund. Die Durchführung des SET 5-10 erfolgt im Einzelsetting und nimmt etwa 45 Minuten in Anspruch.
Das Verfahren gliedert sich in zehn Untertests aus sieben Bereichen:
- Wortschatz
- Untertest Bildbenennung
- Semantische Relationen
- Untertest Kategorienbildung
- Verarbeitungsgeschwindigkeit
- Untertest Sternsuche
- Sprachverständnis
- Untertest Handlungssequenzen
- Untertest Textverständnis
- Sprachproduktion
- Untertest Bildergeschichte
- Untertest Satzbildung
- Morphologie
- Untertest Singular-Pluralbildung
- Untertest Erkennen/Korrektur inkorrekter Sätze
- Auditive Merkfähigkeit
- Untertest Kunstwörter
Der SET 5-10 zeichnet sich zudem durch seine aktuelle und groß angelegte Normierung aus. So basieren die Normen auf einer deutschlandweiten Erhebung an 1.052 Kindern aus dem Jahr 2009. Hierbei erwies sich die standardisierte Durchführung und Auswertung als einfach und ökonomisch. Zudem zeigte sich, dass Kinder den Test, auch Dank der vielfältigen kindgerechten Materialien wie Bildkarten, Spielfiguren und Audio-CD, gut annehmen. Erste Ergebnisse zur Validitätsprüfung belegen, dass das Verfahren in der Lage ist, Kinder mit Sprachauffälligkeit zuverlässig zu identifizieren, so dass mit dem SET 5-10 ein wertvolles Instrumentarium zur Sprachstandsdiagnostik in (vor-) schulischen Anwendungsfeldern vorliegt.